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Dass die Gemeinde Sieverstedt in seiner heutigen Ausdehnung uraltes Siedlungsgebiet ist, bezeugt uns nicht nur der Poppostein aus der Jungsteinzeit.

Siedlungsgebiet

Das Auffinden von Werkzeugen aus der mittleren Steinzeit in Süderschmedeby und Stenderup weisen die Anwesenheit von Menschen in noch früherer Zeit nach.
Funde in Flensburg und Kleinsolt lassen auch den Schluß zu, dass Rentierjäger unser Gebiet, damals noch ganz Tundralandschaft, durchstreiften.

Dorfmuseum

Eine herausragende Bedeutung jedoch besaß unser Ort in der Eisenzeit. Schon der Ortsname Süderschmedeby weist darauf hin, in welcher Hinsicht dieser Siedlungsplatz wichtig wurde. Schmedeby = Schmiedeort: Im vorigen Jahrhundert heißt es in einer Schrift: "Eine alte Tradition berichtet über Schmelzöfen, die in uralter Zeit nördlich und südlich vom Dorfe gestanden haben."

Eisenanlage

Am Ende der Bronzezeit wird auf den uralten Handelsstraßen allmählich die Kenntnis nach Norden gekommen sein, durch Verhüttung von Eisenerzen Eisen zu gewinnen. Einige Funde aus der vorchristlichen Eisenzeit, die in Schleswig-Holstein um 500 v. Chr. begann, bezeugen die Kenntnis und Verwendung des Eisens in der näheren Umgebung. Nachweislich brannten in Süderschmedeby aber spätestens in der römischen Kaiserzeit Hochöfen. Auf dem Süderschmedebyer Urnenfriedhof fand man nämlich Urnen, die mit Eisenschlacken umpackt waren.

Siedlungsgebiet

Die Eisenschmiede hatten es in einem jahrhundertelangen harten Ringen geschafft, sich vom hochqualifizierten Bronzegießen auf das Verhütten einheimischer Eisenerze und das Schmieden des gewonnenen Eisens umzustellen. Das Erz fanden sie in unserer Landschaft als Raseneisenerz oder Sumpfeisenerz vor, meist in Schichten von 0,30m - 0,80m Dicke, im Volksmund Aller, Allig oder Bick genannt und nicht zu verwechseln mit dem Ortstein. 

Da die Hochöfen auch noch in der Völkerwanderungszeit in Betrieb waren, kann man sich vorstellen, dass ein großer Teil der hergestellten Schwerter und Speerspitzen den Angeln zur Eroberung Englands dienten. 

Bei der Eisenverhüttung war der Verbrauch von Holz und Raseneisenerz groß. Man benötigte 760kg Eichenholz, um 130kg Holzkohle zu gewinnen, und man brauchte 13kg Raseneisenerz, um daraus 1kg Eisen zu erhalten. Das Köhlerhandwerk stand in voller Blüte, und die Landschaft veränderte durch den starken Einschlag der Wälder ihr damaliges Aussehen.

Steinamboss

Besonders bekannt wurde die eisenzeitliche Waldschmiede auf dem Auberg bei Süderschmedeby, die in den Jahren 1972 und 1973 vom Schleswig-Holsteinischen Landesamt für Vor- und Frühgeschichte erforscht und in die ersten nachchristlichen Jahrhunderte datiert wurde. Im Zentrum des Eisenverhüttungs- und Schmiedeplateaus stand der Amboss, ein viereckiger Quarzitblock, der damals sogar überdacht war und jetzt seinen Platz im Bürgerhaus Tarp gefunden hat. 

Dass der Schmiedemeister hier wohl auch mit seiner Familie gewohnt hat, zeigen die hinterlassenen Spuren. Vier Urnengräber wurden in der Umgebung gefunden, und das nach Süden anschließende Gelände war terrassiert, vielleicht Flächen für Haus und Garten. 

Fest steht, dass der Schmiedeplatz am Auberg die erste in dieser Kombination nachgewiesene Waldschmiede aus vorgeschichtlicher Zeit in Schleswig-Holstein ist. Das Raseneisenerz wurde weiter westlich aus der Niederung gebrochen. Zu diesem Schluß kam man, als man die Trasse für die Autobahn A7 baute und dabei ein großes Erzlager freilegte. Es war im Zentrum bereits ausgebeutet und hatte nur noch im Randbereich Erz von minderer Qualität. 

Schließlich wurden auf dem Gebiet von Süderschmedeby die einzigen Fundstücke aus der Merowingerzeit (500 - 700 n.Chr.) gefunden, die die Bedeutung dieses Erzgebietes und Verhüttungsplatzes besonders hervorheben. 

Heinz Fröhlich